Startseite
Familienforschung
Pfälzer Burgen
Heppenheim/Bergstr.
Mühlengeschichte
Ramstein/Pfalz
Energiewende
Veröffentlichungen
Links & Impressum
Gästebuch



Die ENERGIEWENDE ist eine Generationen- und Jahrhundertaufgabe, die sehr große technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen, aber langfristig auch große Chancen für Deutschland beinhaltet. Die Gründe für die Energiewende sind letztendlich zeitlos. Es ist nicht nur die Abkehr von der Atomkraft, sondern ein kompletter und radikaler Umbau der gesamten Energieversorgung. Der Weg ist sehr lang und schwierig und erfordert neue Lösungen, ein langfristiges Denken und besonders die Unterstützung der Bürger. Sehr viele Aspekte sind zu beachten.

Da die ENERGIEWENDE in der Presse und Gesellschaft sehr unterschiedlich definiert und bewertet wird, versuche ich aufbauend auf meinen Erfahrungen in der elektrischen Energieversorgung in Schlagworten zur Verdeutlichung und Versachlichung des Themas beizutragen.




„Energiewende“ wird in der Literatur z. B. definiert als:

•       „Umbau der Energieversorgung auf abgasfreie Stromerzeugung“

•       „Weg zu Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“

•       „Auf Dauer weniger Energie verbrauchen.“

 


Welche Themen und Aufgaben stehen hinter dem Schlagwort oder Modewort „Energiewende“?

•       Klimawandel -->  Reduzierung des CO2-Ausstoßes

•       Atomwende  -->  Abschaltung aller Kernkraftwerke

•       Lösung der Endlagerfrage für Atommüll

•       Maximale Nutzung der Erneuerbaren Energien
         (Ökostrom = Strom aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasser)

•       Schonung fossiler Brennstoffe für kommende Generationen

•       Erhöhung der Energieeffizienz  --> Einsparpotenziale nutzen

•       Biokraftstoff aus Biomasse (E10-Sprit)

•       Elektromobilität (E-Mobile)  --> Abgasreduzierung, Nutzung als Speicher

•       Dekarbonisierung der Gesellschaft (Jahrhundertziel des G7-Gipfels in
         Elmau 2015)
 


Wie ist die heutige (2016) Ausgangslage aus politischer Sicht?

•       Globale Erwärmung (Klimawandel) zwingt zum Handeln.

•       Die Energiewende begann schon vor Fukushima.

•       Beschleunigter, stufenweiser Ausstieg aus der Nutzung der Kernkraft
         bis 2022 wurde vom Bundestag 2011 entschieden.

•       Die Bevölkerung will kein Zurück zur Kernkraft.

•       Atomstrom aus Nachbarländern wird nicht gewollt.

•       Ausstehende Entscheidungen für Endlager.

•       Strategische Frage der langfristigen Versorgungssicherheit.

•       Der Bund und jedes Land handeln nach einer eigenen Strategie. Dabei
         gibt es unterschiedliche Ziele und Differenzen.

•       Unterschiedliche Bewertungen und Ziele in den politischen Parteien.

•       Widersprüchliche Einschätzungen und Empfehlungen der Experten.

•       Klare Koordinierung und ein fester Plan fehlen.

•       Für Hessen wurden beim Hessischen Klimagipfel 2011 die Ziele
        bis 2050 festgelegt:
         - Strom und Wärme zu 100 % aus Erneuerbarer Energie bis 2050.
         - Steigerung der jährlichen Gebäudesanierungsquote von 0,75 Prozent 
           auf mind. 2,5 bis 3 Prozent

•       EU-Richtlinien, z. B. zum Biosprit.

•       Jahrhundertprojekt mit riesigen Aufgaben.

•       Herkulesaufgabe.

•       Es gibt weder eine Blaupause noch einen Masterplan.

•       Die Energiewende ist enorm teuer.

•       Gesamtkosten sind nicht seriös abschätzbar (Risiken, Politik).

•       Finanzierung ist ungeklärt und derzeitige EEG-Förderung ist umstritten.

•       Regulierungsrahmen ist anzupassen.



 

Wie ist die heutige Ausgangslage aus  technischer Sicht?

•       Alle Kernkraftwerke müssen bis 2022 ersetzt werden.

•       Endlager für radioaktive Abfälle fehlen.

•       Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ändert die
         Einspeisesituation grundlegend.

•       Viele dezentrale Einspeisungen wurden installiert, besonders
         in Norddeutschland

•       Volatile Erzeugung bei Wind und Photovoltaik 

•       Doppelter Paradigmenwechsel für den Netzbetrieb

•       Die Energieversorgungsnetze sind dafür nicht vorgesehen.

•       Erneuerbare Energien erfordern radikale Änderungen.

•       Umbau der gesamten Energieversorgungsinfrastruktur 
         --> kompletter Systemumbau

•       „Schattenkraftwerke“ (Gas und Kohle) werden zumindest in einer
         langen Übergangsphase als Reserve benötigt.

•       Energiespeicher fehlen in riesigem Umfang.
         --> Wirtschaftliche Speicher sind kurzfristig noch nicht realisierbar.
         --> Energiespeicher nötig zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.

•       Neue „Stromautobahnen“ fehlen und sind dringend zu bauen.
         Der Ausbau und die konkreten Trassen sind strittig.

•       Verteilungsnetze sind in großem Umfang auszubauen.

•       Bisherige Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz haben
         Stromverbrauch nicht gesenkt, sondern nur etwa gleich gehalten.

•       Ungeregelte PV-Anlagen gefährden Netzstabilität (50,2-Hertz-Problem).

•       Viele kleinere Energiesparmaßnahmen sind umzusetzen:
         --> Energieeinsparung durch LED-Leuchten möglich,
               z. B. bei Straßenlaternen.
         --> Effizientere Pumpen bei Heizungen (Pumpenstromkampagne)
         --> Abschalten statt Stand-by

 


Wie ist die heutige Ausgangslage aus allgemeiner Sicht?

•       Schon heute hohe Stromkosten
         --> Wachsender Unmut über steigende Stromkosten.
         --> Gerechtigkeit und faire Lastenverteilung sind zu erreichen.
         --> EEG-Förderung "läuft aus dem Ruder".

•       Ständig steigende Energiepreise für Benzin, Heizöl, Gas.
         --> Fossile Energie wird langfristig immer teurer.
         --> Fossile Energie wird langfristig immer knapper
               ("Weltweit Kampf um Ressourcen").

•       Energiekosten sind sozialer Zündstoff.

•       Energiewende ist Neuland mit erheblichen Risiken.
         --> Viele widersprüchliche und irritierende "Expertenmeinungen".

•       Widerstand und Angst der Bürger bei der Realisierung neuer
         Kraftwerke und dem Leitungsbau

•       Hohe Kosten der neuen technischen Geräte und Anlagen
         - Riesige Bandbreite bei den geschätzten Kosten.

•      Energiewende muss bezahlbar sein.

•      Gerechte Lastenverteilung wird noch gesucht.
        Dabei sind zu beachten:
        - Schutz der produzierenden Industrie im internationalen Wettbewerb.
        - Schutz einkommensschwacher Bürger vor Stromabschaltung und  
          Armut.
        - Förderung mit Augenmaß.

•      Energieverbraucher müssen ihr Verhalten ändern.

•     Biosprit ist umstritten, z. B.:
       - Anbau von Energiepflanzen führt zur Erhöhung der Lebensmittelkosten.
       - Energiemais führt zur Monokultur.

•     Anreize für Stromsparen sind nötig, z. B. spezielle Tarife.

•     Elektroautos (E-Mobile) bisher kaum im Einsatz, Ziele noch sehr weit
       verfehlt: Ist ca 25.000 Elektroautos bei Ziel 1 Mio für 2020,
       15.000 Ladestationen fehlen bundesweit,
       Batterien nicht genügend leistungsfähig.     

•     Ausbau der HGÜ-Übertragungsleitungen verzögert sich um Jahre wegen
       Beschluss der Regierung zur weitgehenden Verkabelung.
       - Immense Mehrkosten.
       - Betriebliche Nachteile: Lange Reparaturzeiten usw.



Trotz aller Schwierigkeiten:

===>   Deutschland kann es!

 


Technische Herausforderungen, die zu meistern sind:

•       Ausbau der Übertragungs- und Verteilungsnetze
        - etwa 3800 km im Übertragungsnetz,
        - etwa 380.000 km im Verteilungsnetz

•       Entwicklung leistungsfähiger und wirtschaftlicher Energiespeicher
         - Erhebliche Forschungsarbeit ist noch zu leisten.
         - Sehr große Speicherkapazität ist erforderlich und bereitzustellen.

•       Wirtschaftliche Lösungen bei Erneuerbaren Energien
         - Wirtschaftliche Stromerzeugung ohne EEG-Förderung als Ziel

•       Intelligentes Lastmanagement zur dynamischen Anpassung
         des Verbrauchs an die Erzeugung

•       Realisierung Smart Grids, Smart Market, Smart Home

•       Normierung und Standardisierung von Schnittstellen

•       Schutz der Daten beim Smart Metering
        (BSI-Schutzprofil noch in Bearbeitung im Sommer 2012).

•       E-Mobile wettbewerbsfähig machen und Infrastruktur ausbauen.
         - Anschaffungskosten senken
         - Reichweite vergrößern
         - Ausbau eines Netzes mit Strom-Tankstellen

•       Verbesserung der Energieeffizienz durch schnellere energetische
         Gebäudesanierung. 



 

Zentrale gesellschaftliche Herausforderungen, die beachtet werden müssen:

•       Kosten müssen für Bürger und Industrie ertragbar sein.

•       Sichere und zuverlässige Energieversorgung muss erhalten werden.

•       Rücksicht auf die Umwelt, die Schöpfung wahrend

•       Einbeziehung und Information der Bürger
         - "Wer gut informiert ist, kann klüger handeln!"

•       Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen

•       Gemeinsames Handeln aller politischen Ebenene.

•       Teilziele müssen definiert werden.




 

Chancen für Deutschland durch die ENERGIEWENDE:

•       Wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

•       Reduzierung der Abhängigkeit vom Ausland

•       Modernisierung der gesamten Infrastruktur

•       Neue Arbeitsplätze

•       Stärkung regionaler Energieversorger

•       Energiedienstleistungen stärken Wertschöpfung vor Ort.
  

 


Meine persönliche Schlussfolgerung:

•       Der Weg ist schwierig und lang, ein Marathonlauf!

•       Die technischen Aufgaben sind lösbar, erfordern aber viel Zeit.

•       Die Kosten sind sehr hoch und die Finanzierung ist schwierig.

•       Viel Geduld und Ausdauer sind nötig.

•       Umsetzung muss den technischen Möglichkeiten folgen.

•       Zeitplan und Förderung müssen nachjustiert werden.

•       Es lohnt sich für die Energiewende zu kämpfen.

•       Wir handeln für die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

•       Transparenz und sachliche Diskussion sind wichtig.

•       Es gibt keine realistische Alternative!

•       Alle Bürger, Kommunen und Unternehmen müssen ihren Beitrag leisten
  
•       "Nein Danke" zu Atomstrom erfordert ein klares Ja zur Energiewende. 


Ich wünsche mir, dass Lösungen gesucht werden, die für die Menschen, die Umwelt und unser Land sozial, ökologisch und ökonomisch vertretbar sind. Weder ein radikales Nein gegen alle Lösungen noch die alleinige Ausrichtung auf maximale Rendite sind der richtige Weg.

Wer schon bestehende "Monster-Windkraftanlagen" z. B. bei Hof in Oberfranken gesehen hat oder die angekündigte Realisierung noch sehr viel größerer Onshore-Windkraftanlagen mit Turbinen der 7,5-MW-Klasse in den Niederlanden verfolgt, fragt sich, wo das hinführt und ob es nicht auch kleiner und durch angemessene Höhenbegrenzung mit mehr Rücksicht auf die Landschaft und die Menschen geht.

Vernünftige Kompromisse und möglichst einvernehmliche Lösungen sind nötig.


************************************************************



 
Top